
Boston ist eine Einwandererstadt in der besonders Iren und Italiener lange dominierten.
Wie der ganze Kontinent ist auch Boston eine Stadt der Einwanderer. Das Besondere an Boston war lange Zeit, dass die Stadt allerdings von einer Gruppe dominiert wurde, die in anderen Städten der USA nur selten so stark vertreten ist, nämlich den Iren.
Die ersten Einwanderer waren zwar Puritaner aus England, aber schon bald wurde die Stadt regelrecht überflutet von Einwanderungswellen aus Irland. Bedingt durch Armut und Hungernöte war Amerika für die Menschen von der grünen Insel als Neustart zu einem besseren Leben attraktiv. Allerdings funktionierte der Traum von Glück und Wohlstand nur selten, denn auch die neue Welt war ein hartes Geschäft.
Die Iren, meist katholisch hatten es zunächst unter den protestantischen Engländern besonders schwer Anerkennung zu finden. Traurige Höhepunkte waren Schilder an Geschäften mit der Aufschrift "Irsih need not apply". Bis heute reichen noch die Vorurteile zwischen den Irischstämmigen und den Boston Brahmins, der englischstämmigen einstigen Herscherkaste. Ein Film, der die harte und triste Situation der damaligen Zeit ganz gut darstellt ist übrigens der Film "In einem fernen Land" mit Tom Cruise und Nicole Kidman (USA 1992).
Spätestens mit der Wahl von James Michael Curley zum Bürgermeister (und später zum Gouverneur von Massachusetts) und seiner Amtszeit (1914-1934 mit zwei Unterbrechungen) wurden die Iren als stärkste Kraft wahrgenommen. Auch William Michael Bulger, ebenfalls irischstämmig, war u.a. ehemaliger Präsident des Senats von Massachusetts und galt lange als mächtigster Politiker Bostons.
Nicht aus Zufall ist der St. Patrick´s Day ein aus Irland impotierter Feiertag, bei dem es in der stadt hoch hergeht. Bei dieser lauten Party feiert ganz Boston in Grün und Kleeblätter, Parade und das "politische Frühstück" sind typisch für die irische Seite Bostons. Dies kommt besonders in South End (Southie) zum Ausdruck. Hier gibt es außerdem viele Pubs und noch heute wandern je nach wirtschaftlicher Situation noch Iren ein. Zumindest auf Zeit.
Soviel zur Irish Connection, allerdings gibt es auch stark italienisch gesprägte Seiten Bostons. Besonders North End war lange stark italienisch dominiert und noch heute sind fast die Hälfte der Einwohner (früher fast 95%) hier italienischer Abstammung. Die meisten kamen zwischen 1876 und 1976, als in Italien eine regelrechte Auswanderungswelle in andere europäische Staaten aber auch Amerika stattfand. Auch für die Italiener war die Anpassung an die neue Stadt, die schlechten Arbeitsbedingungen und das Klima nicht leicht. Obwohl Italien wirtschaftlich und politisch nicht attraktiv war, gingen viele wieder zurück in den Mittelmeerstaat.
Viele bleibe aber auch und noch heute gibt es u.a. exzellente italienische Restaurants und Bäckereien in Boston. Neben diesen Gruppen wanderten natürlich auch andere Völker in der Stadt ein. Polen, Russen, Deutsche, Frankokanadier und osteuropäische Juden. In den letzten Jahrzehnten kommen auch mehr und mehr Zuwanderer aus Lateinamerika (viele Brasilianer), Karibik und auch Asien. Diese geben der Stadt noch mehr kosmopolitisches Antlitz.
Wer sich für die Welt intererssiert, wird jedenfalls in Boston auf engstem Raum viel entdecken. Obwohl die Stadt selbst nicht sonderlich groß ist (ca. 600.000 Einwohner), hat sie daneben überdurchschnittlich viele Studenten als Einwohner. Dadurch wirkt die Stadt ebenfalls dynamisch und jung.